BMW R65

Nachdem die Suzuki den Motorschaden gehabt hatte und ich den Spaß daran verloren hatte, war ich also wieder dabei die Motorradhändler abzuklappern. Diesmal sollte nicht auf den Pfennig geschaut werden, denn das war bei den beiden Moppeds zuvor nicht wirklich gut gegangen, außerdem hatte ich in der Bundeswehrzeit etwas gespart. Das war zwar eigentlich fürs Studium vorgesehen, aber ich wollte ja schließlich Maschinenbau studieren und dafür konnte man an Motorrädern schließlich eine Menge lernen ;-)

Beim BMW-Händler meines Vertrauens stand eine wunderschöne metallicrot/schwarze R100S, aber das Preisschild besagte leider weit außerhalb meiner finanziellen Möglichkeiten. Daneben stand eine beige (das soll eine Farbe sein?) farbene R65 mit Windschild und Spritzlappen. Die sah nun wirklich nicht gerade hübsch aus, aber man konnte gut darauf sitzen, der Preis war akzeptabel und als Bastler war da sicher etwas daraus zu machen. Also mit dem Händler die Rücknahme von Windschild und Spritzlappen ausgehandelt und die Inzahlungnahme der Suzuki, dann war sie meine. 200 kg, 45 PS und flott und handlich zu fahren. Lediglich zu zweit wurde sie etwas zäh, da hatte die 750er doch eindeutig mehr Dampf.

Weil mir das an der R75/6 so gut gefallen hatte, wurden sofort die Aluteile mattschwarz lackiert, wegen der sportlichen Note, und die Kühl- und Designrippen an Motorgehäuse und Zylinderkopf poliert. Das machte schon mal etwas her. Als nächstes wurden Aluminiumlenkerstummel sowie eine Michel-Rennverkleidung montiert. Michel war ein Tuner, der BMWs für Langstreckenrennen herrichtete und die dort verwendete Verkleidung verkaufte. Die war federleicht und sah extrem cool aus. Passend zur roten Verkleidung wurden die Felgen goldfarben lackiert, sowie die Originalzierstreifen durch rote überklebt. Das war optisch schon mal eine deutliche Verbesserung aber noch nicht genug. Als Meister der Sprühdosenlackierung wurden nun auch noch Tank, Seitendeckel, Schutzblech und Heckabschluss rot lackiert. Das war doch schon mal ziemlich gut.

Als Tüpfelchen auf dem i wurden zum Abschluss die Auspufftöpfe und Krümmer mit mattschwarzer Auspufffarbe lackiert und in Heimarbeit eine Höckersitzbankabdeckung für den Soziussitz laminiert. Diese Abdeckung wurde mit einer Art verlorener Form gebaut, indem die Form aus Pappe und Kaninchendraht erstellt wurde und dann von beiden Seiten Glasmatten auflaminiert wurden. Das ganze dann ordentlich spachteln,  schleifen, spachteln, schleifen, .... und ca. zwei Wochen später war die Abdeckung bereit zum Lackieren. In der Zeit stank die ganze Wohnung nach Polyesterharz und Spachtel und meine Freundin hätte mich fast der Wohnung verwiesen. Die endgültig letzte Umbaumaßnahme war das Montieren einer selbstgebauten zurückgelegten Fußrastenanlage und offener K&N-Luftfilter direkt auf den Vergasern. Leistungsmäßig tat sich dadurch nichts, aber der Sound war geil. Und alles sogar noch vom TÜV eingetragen. Mit dem Motorrad habe ich dann wirklich eine schöne Zeit erlebt, tolle Touren gemacht und viel Spaß gehabt. Nur kam dann irgendwann eine Freundin, die mir sehr viel bedeutete, die aber mit Motorrädern überhaupt nichts anfangen konnte. Das ging eine Weile gut, aber dann mußte die BMW leider gehen und eine weitere motorradlose Zeit begann.