Ducati 900 SS Bj. 1997 (die letzte schöne)

Die Sitzposition auf der Sport 1000 S ist wirklich ziemlich grauslig, und die Technik, zumindest fahrwerkseitig, ist gegenüber der 900 SS ein Rückschritt: Federgabel nicht mehr einstellbar statt Vorspannung, Zug- und Druckstufe bei der 900 SS, Zweikolbenschwimmsattelbremsen statt Vierkolbenfestsattelbremsen, zwei Federbeine statt Zentralfederbein. Die breeeeeiiiiiiiiiiite Sitzbank  ist auch sehr gewöhnungsbedürftig, aber ein moderner 1000er Motor mit Einspritzung wäre natürlich schon etwas feines. Allerdings hat mir bei meiner 900 SS nie Leistung und Drehmoment gefehlt, von daher war das kein echtes Argument. Da mir die Optik der ersten SS-Serie, speziell mit Halbschale immer noch supergut gefällt, und auch die preisliche Differenz zu den neuen 1000er Sport Classic Modellen eine ganz beachtliche ist, war die Entscheidung gefallen: Es sollte eine 900 SS her und zwar eine aus dem 97er Baujahr, der letzten aus der ersten Serie. Einmal sind das vom Alter her natürlich die neusten, die man bekommen kann (das kann ja nicht schaden) und weiterhin besteht die Hoffnung, dass darin alle Verbesserungen und Weiterentwicklungen dieser Baureihe enthalten sind. Von der Farbgebung hätte mir natürlich eine mit weißem Rahmen und weißen Rädern am allerbesten gefallen, aber leider sind das auch die ältesten. Aber die letzte Serie mit goldbronze farbenen Rädern und Rahmen gefällt mir auch recht gut, schade nur, dass es die nicht mehr mit Halbverkleidung gab. Ich finde bei einer Ducati muss man den Motor sehen.

Jetzt wurde regelmäßig bei autoscout24 und mobile.de gesucht und nach gar nicht langer Zeit fand ich ein interessantes Angebot einer 900 SS, EZ 4/98 mit lediglich 19.600 km auf dem Tacho. Zwar hatte die Maschine drei Vorbesitzer, aber wenn der Zustand der Maschine gut ist, ist das wohl akzeptabel. Es gab natürlich einen kleinen Wehrmutstropfen, die Maschine stand in der Nähe von Nürnberg, ich wohne nördlich von Lübeck, das sind locker 750 km für eine Tour. Egal, den Händler angerufen, ob die Maschine noch zu haben ist und einen Termin ausgemacht. Als nächstes Jörg Jakobeit, den Schrauber meines Vertrauens, angerufen und mit ihm einen Termin auf der Rückfahrt vereinbart, denn wenn es die Duc werden sollte, dann sollten auch gleich wieder die exzentrischen Kipphebelachsen, die ich so genial finde, montiert werden.

Jetzt wurde es hart, aufstehen um 2.30 Uhr und kurz vor 3 ins Auto und ab auf die Autobahn, schließlich wollte ich auf dem Rückweg bei Jörg vorbei und ein wenig Reserven wegen Staus, Mistwetter etc. sollten schon sein. Gegen 9 Uhr war ich dann da und der nette Händler war schon dabei, die Maschine fertig zu machen, Batterie aufladen etc., damit ich eine Probefahrt machen konnte. Optisch war sie große klasse und gefiel mir sofort. So schnell es ging, kletterte ich in meine Motorradklamotten und dann ging es los. Es waren mehr als fünf Jahre seit der letzten Fahrt mit meiner Ducati, aber es kam mir vor wie gestern. Das Motorrad lief gut, wegen teilweiser nasser Straße und kaltem Motoröl bin ich nicht so sehr weit gefahren, aber der Motor klang gut und es fiel mir nichts auf. Der Sound war natürlich vom feinsten, da der Auspuff offene Racingtöpfe hat. Geil, geil, geil, das ist wirklich ein Motorrad. Der Händler hatte alle Unterlage da, sogar das Inspektionsheft mit den gemachten Inspektionen, die Originalauspufftöpfe mit Soziusrastenhaltern, eine Kiste mit Kleinteilen wie schwarzen Spiegeln, einer Zubehörfußrastenanlage etc. Es wurden natürlich die neuralgischen Stellen, wie der Rahmen am Lenkkopf auf Risse und der Tank auf Rost untersucht, aber die Maschine war wirklich tiptop. Also wurde gar nicht groß gehandelt, da der Preis in Relation zu ähnlichen Maschinen absolut ok war und der Kaufvertrag unterschrieben. Der Händler sollte bei der Maschine noch den TÜV erneuern und die fehlenden Ansaugrüssel für den Luftfilterkasten besorgen, aber das war auch das einzige, was mir aufgefallen war. Ach ja, der vordere Bremslichtschalter war noch defekt, was mir gar nicht aufgefallen war, aber der Händler netterweise erwähnte und auch noch in Ordnung bringen wollte.

Die Rückfahrt führte mich dann nach Hessisch Oldendorf bei Hameln zu JakoMotorsport. Jörg Jakobeit stand in seiner Werkstatt und fräste an irgendwelchen Spezialteilen, so wie es schon früher häufig war, wenn wir ihn auf einer Tour besucht hatten. Wir kamen gleich ins Klönen und sprachen ab, was an der Maschine gemacht werden sollte: Natürlich Umbau auf exzentrische Kipphebelachsen, Umbau auf Halbschale, große Inspektion mit Zahnriementausch, Vergaserabstimmung und noch die eine oder andere Kleinigkeit.

Dann ging es zurück auf die Autobahn und Richtung Heimat, bis mich dann kurz vor Hamburg der Freitag Abend typische Stau einbremste. Dank Navi war dieser Stau flott umfahren und gegen 19 Uhr war ich dann wieder zuhause, todmüde aber zufrieden, endlich wieder Ducatifahrer. Naja, erstmal nur Besitzer, aber das mit dem Fahren kommt ja noch früh genug.

Heute hat der Händler angerufen, das Mopped ist durch den TÜV und alle Teile sind da, super. Jetzt kann die Maschine abgeholt werden. Ich habe im Internet eine Firma aufgetan, die für einen festen Preis Motorräder quer durch Deutschland transportiert. Das ist deutlich billiger, als sich z.B. einen Transporter zu mieten.

Das Motorrad ist bei bei JakoMotorsport angekommen. Zwar mit einem halben Tag Verspätung wegen Schnee und Verkehrschaos (ich habe den Transporter schon im Straßengraben liegen sehen), aber jetzt kann der Umbau losgehen.

Es  wurde nun kontinuierlich bei ebay gestöbert und geschaut, was denn an schönen Teilen für die Duc angeboten wird. Meine Ausbeute bislang: Aluminium-Krümmerflansche, die ich schon an der ersten Maschine hatte, die aber heute kaum noch zu bekommen sind, ein Paar original A04/B04-Auspufftöpfe, die eigentlich für den nicht deutschen Markt bestimmt waren und einen deutlich schöneren Sound produzieren, ein Vorderradschutzblech in rot, zwei Halbschalenseitenteile von einer 95er 900SS und eine CFK-Hinterradabdeckung, der Bausatz für den Kettenöler ist auch schon da. Weitere recht günstig erworbene Teile sind ein Kupplungsdeckel und eine Ritzelabdeckung aus CFK.

Als nächstes habe ich mich nach Montageständern umgesehen, da ich meine alten mit der Ducati verkauft habe und für die Transalp wegen des vorhandenen Hauptständers keinen benötige. Nachdem ich erst mit einem ausgesprochen günstigen Angebot von Louis geliebäugelt hatte, erschien mir diese Lösung dann doch etwas klapperig und ich entschloss mich für ein Set aus Hinterradheber H10 und Frontheber V10 der Fa. Move, das einen ausgeprochen professionellen Eindruck macht. Damit ist es dann möglich gleichzeitig sowohl Vorder- als auch Hinterrad oder auch die Gabel auszubauen. Ich denke, hier ist es wie bei  Werkzeug, da lohnt es selten billig zu kaufen.

Letztens war ich bei Jörg Jakobeit, um die Auspufftöpfe und die Halbschale vorbei zu bringen und die alten Auspufftöpfe sowie die Vollverkleidung abzuholen. Das Motorrad stand ziemlich zerlegt in der Werkstatt und die Umrüstung auf die exzentrischen Kipphebelachsen war schon durchgeführt. Der Motor ist, wie mir Jörg sagte, in einem guten Zustand, allerdings hatten der/die Vorbesitzer sich beim Putzen nur an den Stellen Mühe gegeben, die gut zu erreichen bzw. zu sehen waren. Nicht so gut zugängliche Stellen waren nicht besonders gepflegt, so dass wenn das Motorrad bei mir ist, erst einmal gründliches Putzen angesagt ist. Man sieht zum Beispiel, das die Gewinde für die Auspuffflansche und auch die Zylinderstehbolzen leicht angerostet sind, was darauf hindeutet, dass das Motorrad längere Zeit in feuchter Umgebung gestanden haben muss. Aber ich denke, da ist nichts, was nicht nicht mit entsprechender Pflege und etwas Mühe wieder in Ordnung bringen lässt. Der Zylinderkopf des liegenden Zylinders sah wirklich sehr verdreckt aus und ist mit herkömmlichen Mitteln sicherlich nicht mehr sauber zu bekommen. Da direkt neben meinen Zylinderköpfen welche von einer Königwellenducati lagen, die frisch gestrahlt und funkelniegelnagelneu aussahen, bat ich Jörg den Zylinderkopf noch mal zu zerlegen und strahlen zu lassen, weil gerade mit Halbverkleidung so ein verdreckter Zylinderkopf nicht so toll aussieht.

Jörg hat heute angerufen, das Mopped ist fertig und laut seiner Aussage ein richtiges Sahnestück, was den Motorlauf angeht. Auch die A04/B04-Auspufftöpfe klingen noch etwas kerniger als normal, klasse.

Blöd nur, dass ich noch einen Monat warten muß, wegen Saisonkennzeichen ab April. Ich glaube, die Zeit wird mir echt lang werden.

Irgendwie war es jetzt schwierig einen Termin abzustimmen, bei dem mich jemand nach Hessisch Oldendorf fahren konnte, damit ich das Motorrad abholen konnte. Da das Wetter auch noch nicht wirklich zuverlässig war, entschloss ich mich dazu, das Motorrad zu mir nach Hause transportieren zu lassen. Das war zwar etwas teurer, als es selber zu holen, aber wenn man Benzin, Zeit und das Wetterrisiko berücksichtigt, eine echte Alternative. Der zweite Transport, klappte genauso gut wie der erste und das Motorrad kam pünktlich bei mir zu Hause an. Jetzt wurde natürlich erstmal alles gründlich unter die Lupe genommen und überlegt, was noch alles gemacht werden musste, vor der ersten Ausfahrt.

Das erste war der Krümmer, der wirklich fürchterlich verdreckt aussah. Zufälligerweise hatte ich gerade im Ducatiforum über ein Reinigungsmittel für Edelstahlauspuffanlagen gelesen, das ich mir besorgte und auf die abgebauten Krümmer anwendete. Das Zeug wirkte ziemlich gut und nach mehrmaliger Anwendung und etwas Nachpolieren mit Chrompolitur, sahen die Krümmer fast wie neu aus.

 Die nächste Baustelle waren die hinteren Seitenteile und die Soziussitzabdeckung, die richtig tiefe Scheuerstellen, wahrscheinlich von unsachgemäß befestigtem Gepäck hatten. Dafür besorgte ich mir bei Louis eine Politur und nach mehrmaligem Polieren waren die Stellen fast nicht mehr zu sehen, das Zeug wirkt richtig gut. Jetzt sollten die bei ebay erstandenen Teile montiert werden, aber das klappte nur teilweise. Die rote Vorderradabdeckung passte nicht, sie scheuerte am Reifen. Das kam daher, dass Radabdeckung wohl von einer 600er oder 750er stammte und tatsächlich unterschiedlich zu dem Teil für eine 900er war. Die kleineren Modelle haben einen Vorderreifen mit einem niedrigeren Querschnitt und deshalb auch eine flachere Vorderradabdeckung. Inzwischen finde ich das CFK-Schutzblech auch ganz ok und werde wohl nicht mehr auf eine rot lackierte Version umbauen. Die CFK-Hinterradabdeckung passte leider auch nicht, da bei der 900 SS ab 1994 und bei der SL ab 1993 eine Schwinge mit höherem Oberzug verbaut wurde und das Schutzblech noch für die vorherige Version war. Mit den Aluauspuffüberwurfringen, der Ritzelabdeckung und dem Kupplungsdeckel gab es zum Glück keine Probleme.

Der nächste Umbau betraf den Seitenständer, der automatisch einklappt, was ich ungeheuer unpraktisch finde. Wenn man das Motorrad vom Montageständer herunter holt und dann ersten den Seitenständer ausklappen muss, bzw. wenn jemand an das geparkte Motorrad stößt, ist ein Umkippen praktisch vorprogrammiert. Es werden Umbaukits für ausgesprochen teures Geld angeboten, die diesem Umstand abhelfen sollen, aber ich habe nach einigem Suchen im Internet eine Seite gefunden, die den Umbau sehr ausführlich beschreibt und sich der Umbau dann mit einem Bruchteil der Kosten realisieren lässt. Das schwierigste war das Auffinden der Kabel vom Seitenständerschalter und der Leerlaufkontrolleuchte, die man anzapfen muss, damit der Motor ausgeht, wenn man mit ausgeklapptem Seitenständer versehentlich losfahren will. Diese Kabel ließen sich genau wie beschrieben am Zentralstecker anzapfen, die Leitungen für Zündung und Benzinpumpe wurden am Sicherungskasten unterbrochen und das Doppelrelais dazwischen geschaltet. Das ganze war etwas fummelig, funktionierte aber auf Anhieb genau wie geplant. Damit der Ständer nicht mehr selbsttätig einklappt, wurde eine neue Seitenständerhalteschraube angefertigt, die keine Anlage mehr für den Federbügel aufweist.

Die nächste Bastelaktion war der Einbau, eines automatischen Kettenölers, der mir schon bei der Transalp total gut gefallen hatte. Bei der Ducati hatte ich den Ehrgeiz den Kettenöler total unauffällig zu montieren, was mir zu meiner Freude auch sehr gut gelungen ist.

Da der Hinterreifen nicht mehr wirklich viel Profil hatte, sollte ein komplett neuer Reifensatz aufgezogen werden. Nach ausgiebigem Studium von Testberichten entschied ich mich für Metzeler Roadtec Z6, die ich übers Internet auch recht günstig erstehen konnte. Nachdem ich einen Satz Montageständer für vorn und hinten gekauft hatte, sollte der gleichzeitige Ausbau beider Räder kein Problem darstellen. Das Hinterrad hatte schon Jörg Jakobeit ausgebaut und mir gesagt, dass er zum Entfernen der Hinterachse einen Hammer zur Hilfe nehmen musste. Das ließ mich fürs Vorderrad das schlimmste befürchten, was dann auch prompt eintrat. Ich bekam die Vorderachse nicht gelöst. Einsprühen mit Kriechöl, heiß machen, rohe Gewalt, nichts half weiter. Die Achse saß so fest in der Gewindebuchse auf der linken Seite, dass diese sich irgendwann einfach mitdrehte. Nachdem ich mit meinem Latein am Ende war, holte ich die Pucksäge und sägte die Achse durch. Das tat mir zwar in der Seele weh, aber ich wusste mir nicht anders zu helfen. So langsam nahte nun auch der erste April, an dem ich das Motorrad, bedingt durch das Saisonkennzeichen, das  erste Mal fahren wollte. Zum Glück war eine neue Vorderachse mit Buchse relativ schnell lieferbar und der ersten Ausfahrt stand somit nichts im Wege. Hätte man meinen sollen: als ich das Motorrad zur ersten Ausfahrt starten wollte, gab der Anlasser ein paar müde Geräusche von sich und stellte dann die Arbeit ein, Batterie leer. Also wurde die Batterie ans Ladegerät gehängt und da meine Kinder es garnicht erwarten konnten, ihre erste Motorradtour zu unternehmen, eine Runde mit der Transalp gedreht. Danach war dann auch die Batterie soweit geladen, dass der ersten Ausfahrt nicht mehr im Wege stand. Super genial, das Motorrad macht einfach nur Laune.

Ich habe dann sehr günstig einen wartungsfreie Blei-Gel-Akku gekauft, der mir schon bei der Transalp sehr gut gefallen hatte. Der Akku musste in der ganzen Winterpause nicht einmal nachgeladen werden. Durch Probleme mit der Lieferbarkeit kamen jetzt erst der neue Kettensatz mit etwas kürzerer Übersetzung (15/39 statt 15/37) und die neuen Bremsbeläge. Die Bremsbeläge hauchten den Bremsen neues Leben ein, da die alten Beläge zwar von der Belagstärke noch gut, von der Wirkung her aber absolut stumpf waren. Die kürzere Übersetzung verbesserte die Fahrbarkeit, speziell in Ortschaften deutlich.

Das ganze Motorrad machte soviel Spaß, dass in den ersten zwei Monaten über 4.000 km zusammen kamen.