Honda Transalp XL 650 V

Meine Ducati hatte ich verkauft, weil ich wegen der Kinder nicht mehr wirklich zum Fahren gekommen bin und außerdem das Geld für mein neues Hobby brauchte. Nach viereinhalb Jahren waren die Kinder nun langsam in dem Alter, dass man daran denken konnte sie auf dem Motorrad mitzunehmen (der jüngste wurde sieben) und am Modellhubschrauberfliegen hatte ich auch etwas den Spaß verloren. Also musste wieder ein Motorrad her, aber welches? Eine Randbedingung war eine komfortable Sitzposition, man wird schließlich auch nicht jünger, und dass man gut eine zweite Person mitnehmen kann. Weiterhin war das Hobbybudget beschränkt auf 3 bis 4 k€ und dafür wollte ich nach Möglichkeit eine Maschine mit wenigen Kilometern.

Da meine Frau zu Zeiten meiner Yamaha SRX eine Transalp hatte und wir damit auch schöne Touren zu zweit auf einer Maschine gemacht hatten, kam die Transalp in die erste Wahl, zumal mir viele der moderneren Motorräder von der Optik her einfach nicht zusagten. Meine Suche bei den einschlägigen Suchmaschinen zeigte mir schnell, dass man in dem von mir gesteckten Preisrahmen relativ neue Maschinen mit geringer Kilometerleistung bekommen konnte. Nachdem einige Moppeds in die engere Auswahl gekommen waren und ich mich schon darauf eingestellt hatte, nach Düsseldorf oder Kassel zu fahren, fand ich doch noch ein Mopped hier ganz in der Nähe. Angerufen, Besichtigungstermin ausgemacht, angeschaut, Probe gefahren und der Kauf war perfekt.

Zur Probefahrt hatte ich meinen alten Helm, der mir seit meinem Ducatiunfall treu gedient hatte und dann viereinhalb Jahre im Keller gelegen hatte, mitgenommen, aber irgendwie passte er nicht mehr richtig. Nach der Probefahrt war dann auch klar warum. Als ich den Helm absetzte rieselten merkwürdige Krümel heraus, die sich dann als Überreste der Schaumstoffpolsterung herausstellten. Der Schaumstoff hatte sich zersetzt und der Helm wanderte sofort in die Mülltonne. Deshalb musste ich mit dem Abholen der Transalp leider warten, bis der neue Helm, den ich übers Internet bestellt hatte, geliefert wurde. Dann wurde die Maschine abgeholt und natürlich sofort eine kleine Tour unternommen. Bei der Fahrt und den folgenden wurde mir dann erst richtig klar, wie sehr mir das Motorradfahren gefehlt hatte.

Bei mir bleibt kein Motorrad lange ohne Bastelaktion. Ich hatte schon gleich als ich den Kaufvertrag für die Transalp unterschrieben hatte, einen automatischen Kettenöler bestellt, der gleich am nächsten Wochenende montiert wurde. Eine weitere Verbesserung, die ich auch schon an der Ducati vorgenommen hatte, war die Montage eines Fahrradtachos quasi als Bordcomputer. Der Geber des Fahrradtachos wurde mit Kabelbindern am Gabelholm befestigt (auf dem Bild der obere) und der Magnet mit Fünfminutenepoxy in eine Bohrung in der Nabenabdeckung eingeklebt. Das Kabel zur Tachohalterung wurde aufgetrennt, eine entsprechende Verlängerung eingelötet und die Lötstellen in Schrumpfschlauch eingeschrumpft. Die Tachohalterung wurde mit den Original-O-Ringen am linken Lenkerende befestigt, so dass die Anzeigemodi des Tachos durchgeschaltet werden können ohne die Hand vom Lenker nehmen zu müssen. So kann der Tageskilometerzähler zur Kontrolle der Tankreichweite benutzt werden, da die Tankanzeige der Transalp doch ziemliche Mondwerte anzeigt und der Fahrradtacho als Tages-/Tourenkilometerzähler, zur Anzeige von Durchschnittsgeschwindigkeit, Fahrzeit, Maximalgeschwindigkeit etc. Eine weitere UMbaumaßnahme war die Montage einer Lenkerquerstrebe rein aus optischen Gründen, da der relativ weit hochgezogene Lenker vorher irgendwie etwas unproportioniert aussah.

Das Fahren mit der Transalp macht schon Laune und in dem einen Monat, den ich noch hatte, bis das Saisonende wegen Saisonkennzeichen eintrat, bin ich dann noch über 1,700 km gefahren. Aber im Winter packte mich dann doch die Wehmut nach meiner Ducati. Wahrscheinlich ist das so, als ob man zehn Jahre Ferrari gefahren ist und sich dann einen Golf kauft. Der Golf ist eigentlich ein richtig gutes Auto, aber verglichen mit einem Ferrari? So ging es mir mit der Transalp: Ein wirklich tolles Motorrad, aber im Vergleich zu einer Ducati springt nicht wirklich der Funke über.