McCoi - Micro controlled Chainoiler

Nachdem ich schon an der Transalp den elektronischen Kettenöler  McCoi verbaut hatte und davon total begeistert war, musste an die Ducati natürlich auch so ein Teil montiert werden. Während an der Transalp noch die Version 2 verbaut wurde, bei der der Controller und die Überwachungsschaltung auf zwei getrennten Platinen untergebracht waren, was den Verkabelungsaufwand etwas erhöht, wurde bei der Ducati die Version 2.5 verbaut, die nur noch aus einer Platine besteht. Der Bausatz wurde schon bestellt, bevor die Maschine bei mir war und wie auch beim ersten Mal, war die Lieferung blitzschnell. Diesmal sogar bevor ich das Geld überwiesen hatte.

Der Bausatz war wieder von überragender Qualität, sorgfältig verpackt und mit einer ausführlichen Schritt für Schritt Anleitung versehen, so dass jeder,  der weiß, wo das heiße Ende vom Lötkolben ist, die Platine aufbauen kann. Der Aufbau war dann auch ziemlich schnell und unspektakulär erledigt. Die Inbetriebnahme an der Transalpbatterie, die ich zum Überwintern ausgebaut hatte, zeigte, dass alles problemlos funktionierte.

Die echte Herausforderung bei der Installation eines McCoi ist die Montage am Motorrad, denn da gibt es nichts außer ein paar Einbaubeispielen auf der McCoi-Seite und man muss alles selber planen und aufbauen. Das ist übrigens auch das allerwichtigste, vorher gründlich zu überlegen, wie alles angeordnet werden soll und wie die Schläuche und Kabel verlegt werden sollen. Während die Installation an der Transalp von der Optik her etwas rustikal ausgeführt wurde, war mein Ziel bei der Ducati, dass der Kettenöler nach Möglichkeit überhaupt nicht zu sehen sein sollte.

Der erste große Schritt in diese Richtung war die Montage von Ölvorratsbehälter, Pumpe und Controllereinheit unter der Sitzbank im Werkzeugfach. Dazu wurden der Behälter und die Pumpe mit Spiegelband (Doppelseitigem Klebeband, dass sehr gut klebt) im Werkzeugfach befestigt. Für die Befestigung der Elektronikbox wurde selbstklebendes Klettband verwendet, was ein einfaches Abnehmen der Box erlaubt, um z.B. die Einstellung zu ändern. Beim Tank wurden genauso wie bei der Transalp alle drei Anschlüsse bestückt, was ein problemloses Befüllen des Tanks mit einer Spritze erlaubt. Die Spannungsversorgung des Steuergerätes erfolgte über zwei Leitungen direkt von der Batterie unter dem Tank. Für die Leitungen hatte ich mir von Louis so genanntes Bougierrohr besorgt, damit ist eine absolut professionell aussehende Kabelverlegung möglich.

Wie bei der Transalp habe ich auf den Regensensor verzichtet und mir statt dessen einen Dreistufenumschalter besorgt, mit dem ich den Normalbetrieb, den Regenmodus und neu bei der Version 2.5 den so genannten Crossmode, der deutlich mehr Öl dosiert, einschalten kann. An dieser Stelle war ziemlich viel Überlegung bei der Suche nach einem geeigneten Platz zur Montage der Schalters sowie der Regen- und der Kontroll-LED nötig. Die Elemente sollten gut zu sehen, bzw. zu bedienen sein, allerdings eher unauffällig ins Cockpit integriert werden und ich wollte keine Originalteile anbohren, um das Motorrad bei Bedarf problemlos in den Originalzustand zurückversetzen zu können. Nach vielem Überlegen und Probieren habe ich sowohl die Leuchtdioden als auch den Schalter in je ein Stück eines Kunststoffwinkelprofils montiert, das noch aus Zeiten meiner Modellhubschrauberfliegerei in der Bastelecke lag. Diese beiden Haltewinkel wurden dann mit Spiegelband oberhalb und seitlich der rechten seitlichen Cockpitabdeckung montiert. In meine Augen der ideale Platz.

Schwieriger war es dann schon, eine geeignete Befestigungsmöglichkeit für den Reedschalter und den Magneten zu finden. An der Bremsscheibe bzw. Nabe der Hinterradfelge gab es ohne zusätzliche Bauteile keine geeignete Möglichkeit den Magneten anzubringen. Die Montage sollte aus optischen Gründen, um das ganze relativ unauffällig anbauen zu können, am Hinterrad erfolgen. Nach einigem Suchen und Überlegen entschied ich mich dafür, jeweils eine kleine Halterung für den Magneten und den Reedschalter zu konstruieren. Glücklicherweise habe ich die Möglichkeit in der Firma ab und an mal ein kleines Teil mitlaufen zu lassen und so wurden die beiden Halterungen aus Aluminium gefräst. Der Magnet wurde in die Halterung mit 5-Minuten-Epoxy eingeklebt und mit einer Bremscheibenbefestigungsschraube verschraubt. Hier gab es dann auch das erste Problem: Ich hatte 1 mm Materialstärke unter der Befestigungsschraube vorgesehen, das war etwas viel. Die Halterung des Magneten streifte bei sich drehendem Rad leicht an der Bremszangenhalterung. Durch etwas Nacharbeit mit der Schlüsselfeile ließ sich dieses Problem  allerdings schnell beheben. Wenn jemand die Befestigung nachbauen möchte, eine aktuelle Zeichnung kann man hier herunterladen.

Die Aufnahme für den Reedschalter wird auf die Bremsschlauchhalterung geklemmt und mit der Befestigungsschraube, mit der auch die Halterung befestigt wird, angeschraubt. Da in diesem Gewinde in der Schwinge bei Modellen ohne schwimmende Bremsankerplatte mit  Momentenabstützung zum Motor, ein Bolzen zur Aufnahme des Bremsmomentes sitzt, ist das ein 10 mm Gewinde mit der entsprechend großen und langen Schraube. Da das Einschrauben dieser langen Schraube recht unhandlich ist und mit montiertem Reedhalter noch schwieriger wird, wurde die Schraube durch eine gekürzte Version ersetzt. Der Reedschalter ist in die Halterung eingeschoben und mit einer Madenschraube gesichert. So kann noch eine Feinabstimmung des Schaltpunktes des Reedschalters durch Verschieben vorgenommen werden, was in meinem Fall aber nicht erforderlich war. Die Zeichnung des Halters zum Nachbau gibt es hier.

Die Kabelverlegung erfolgt mit schwarzem geschirmten Mikrofonkabel, dass ich mir von Conrad besorgt hatte. Das graue Kabel, das man beim McCoi mitbestellen kann, ist sicher funktionell, sieht optisch aber nicht wirklich gut aus. Der Gitterrohrrahmen der Ducati ist natürlich hervorragend geeignet, um daran entlang die Kabel von der Bedien- und Anzeigeeinheit nach hinten zu führen. Das Kabel vom Reedschalter wurde parallel zur Bremsleitung und dann den Rahmen entlang zur Steuerbox geführt. Die Befestigung erfolgte mit Kabelbindern.

Die Befestigung der Kanüle zur Dosierung am Kettenblatt war an der Ducati nicht so einfach möglich, wie an der Transalp, die vor dem Kettenrad einen Abweiser an der Schwinge befestigt hat. In der Bastelkiste fand sich ein schmales Aluminiumwinkelprofil, das für meinen Zweck geeignet erschien. Von diesem Profil wurde ein kurzes Stück abgesägt und direkt im Winkel über die Hälfte der Länge aufgesägt. Dann wurde die aufgesägte Seite so gebogen, dass sich der Winkel mit dem geraden und dem abgeknickten Stück von unten und hinten mit Spiegelband an die Schwinge kleben ließ und das restliche Winkelprofil ca. 45° nach unten zeigt. Solche Dinge kann man übrigens hervorragend ausprobieren, wenn man sich erstmal Muster aus Pappe anfertigt. In das nach unten zeigende Stück des Winkelprofils wurde die Kanüle mit Heißkleber eingeklebt und mit Schrumpfschlauch gesichert. Die grobe Ausrichtung der Kanüle erfolgt durch entsprechendes Biegen des Winkels vor dem Verkleben an der Schwinge bzw. beim Verkleben der Kanüle mit dem Heißkleber. Die Feinjustierung kann dann durch Nachbiegen der Kanüle erfolgen. Wichtig ist, dass die Kanüle leicht am Kettenblatt anliegt, etwa dort wo die Kette auf das Zahnrand aufläuft. Es sollte etwas Abstand zur Kette vorhanden sein, damit sich die Kanüle beim rückwärts Schieben des Motorrades nicht in der Kette verhakt. Der Befestigungswinkel wurde noch mit etwas Klebeband gesichert, welches auch zur Befestigung des Schlauches an der Schwinge benutzt wurde. Die Verlegung des Schlauches erfolgt unauffällig entlang der Rahmenrohre und die Befestigung mit Kabelbindern. Hierbei ist darauf zu achten, dass die Kabelbinder nicht zu fest angezogen werden und den Schlauch einschnüren. Wie man an dem Bild unten erkennen kann ist mir mein Vorhaben gelungen, der Kettenöler ist fast nicht zu erkennen.

Nach der ersten Ausfahrt zeigte sich, der Kettenöler funktioniert genau wie soll. Selbst die Grundeinstellung, mit der ich gestartet bin, ein Pumpenhub auf 6000 m passt fast optimal. Da die Kette leider sehr mit altem Kettenspray und Dreck verklebt war, das auch die Reinigung mit Diesel nicht komplett entfernen konnte, wird leider noch ziemlich viel Dreck von der Kette abgeschleudert, was eine Beurteilung der Einstellung etwas schwieriger macht. Am besten geht das Prozedere natürlich mit einem neuen Kettensatz, was eigentlich auch geplant war, der aber leider nicht rechtzeitig gekommen ist.  Nach der ersten Tankfüllung habe ich die Einstellung noch einen Schritt niedriger gedreht und fahre jetzt mit einem Hub alle 6333 m.