Träume

Wenn ich mir heute Motorradkataloge durchblättere, oder bei den Händlern Motorräder anschaue, gibt es nicht viel, was mir wirklich gefällt. Viele aktuelle Maschinen sehen aus, wie missglückte Designobjekte und sind in meinen Augen einfach nur hässlich. Allerdings gibt es auch das eine oder andere Motorrad das optisch im Stile der 70er und 80er Jahre daherkommt, aber moderne Technik beinhaltet. So etwas gefällt mir dann schon.

Die Ducati 750 SS mit Rundmotor und Königswellen ist in meinen Augen eines der schönsten jemals gebauten Motorräder ist. Dieses Motorrad ist mein Traum, seit ich angefangen habe, mich für Motorräder zu interessieren. Technisch war sie sicherlich nicht so ausgereift, wie die modernen Ducatis, aber die Maschine hat einfach eine zeitlose Eleganz und ist ein kleines Kunstwerk des Maschinenbaus. Die schlanke Halbschalenverkleidung mit zweifarbiger Lackierung gibt der Maschine den sportlichen Anstrich. Der Streifen auf dem Tank ist eine Aussparung in der Lackierung des Kunststofftanks um den Füllstand erkennen zu können. Die konischen Auspufftöpfe sorgen für einen kaum gedämpften atemberaubenden Sound. Die heute noch erhaltenen Maschinen sind absolute Raritäten und kaum bezahlbar. Diese Ducatis waren was Motor, Fahrwerk und Bremsen betrifft für die damalige Zeit sicher sehr gut, was die Verarbeitung betrifft war es damit allerdings nicht so weit her. Wenn man sich diese Maschinen angesehen hat, war alles was nicht direkt etwas mit dem Fahren zu tun hatte, wie Elektrik, Kabelbaum, Schalter etc. qualitativ nicht sehr hochwertig. Es war eben an solch einer Maschine nicht wirklich wichtig. Auch die Motoren hatten einige konstruktive Schwachstellen, so dass sie von der Laufleistung und Zuverlässigkeit der heutigen Motoren meilenweit entfernt waren.

 

 

So genial und technische reizvoll der Antrieb der Nockenwellen über Königswellen ist, so passt er nicht mehr in die moderne Welt mit strengen Geräuschvorschriften und wachsendem Kostendruck. Das letzte Modell aus der Königswellenbaureihe ist die Mille, ein weiteres wunderschönes Motorrad. Sie hat die letzte Evolutionsstufe des Königswellenmotors verbaut und hat als Referenz an den modernen Motorradbau Gussräder statt der Speichenräder der 750 SS. Trotzdem ist die Abstammung von ihrem Vorgängern eindeutig zu erkennen. Die Kegelradumlenkung an den Zylinderköpfen stellt ihr Innenleben durch durchsichtige Deckel zur Schau. Dieses schöne Motorrad habe ich leider nie wirklich sehen können, von daher kann ich zur Verarbeitung keine Aussage machen, der Ruf der italienischen Motorradfirmen, genauso wie der der Autofirmen, war aber zu der Zeit ziemlich schlecht, wo sicherlich zumindest etwas wahres dran war. Parallel zu dem letzten Königwellenmotor gab es schon den neuen Zahnriemenmotor, der zuerst in der Pantah verbaut wurde, die aber optische nie so ein richtig schickes Motorrad war. Die 750 von 1990 mit ihrer blauroten Verkleidung war dann wieder deutlich schöner und auch in der Verarbeitung hatten die Motorräder einen Riesenschritt nach vorne gemacht.

Absolute Traummotorräder waren dann wieder die 750er und 900er aus der SuperSport-Baureihe der Jahre 91 bis 97. Speziell mit der Halbverkleidung und Sicht auf den Motor ist dieses Motorrad bildschön. Am besten gefällt mir das allererste Modell von 1991 mit weißem Rahmen und weißen Felgen. Hingegen reißen mich die Vierventiler und die neueren SS-Modelle nicht wirklich vom Hocker. Die Zweiventil-Monster sind ganz nett, aber auch nicht wirklich mein Fall.

 

 

 

 

 

 

 

 

Und dann kamen ab 2005 die ersten Ducatis, die sich optisch an die Wurzeln der frühen 70er Jahre anlehnten. Die 1000 Sport und GT und auch die Paul Smart Replica waren schon sehr schöne Motorräder, aber speziell die einseitig übereinander liegenden Auspufftöpfe waren für meinen Geschmack an Häßlichkeit kaum zu überbieten. Und dann im Herbst 2006 sah ich sie, meine absolute Traummaschine, die Ducati Sport 1000 S. Ein Motorrad mit topmoderner Technik und optischen Anleihen an die erste 750 SS. Das Motorrad sieht einfach nur klasse aus. Die Sitzposition mit tiefen weit vorgezogenen Lenkerstummeln ist relativ gruselig, bei der Biposto ohne S schon deutlich angenehmer. Aber die Optik ist bei der S mit der schlanken Halbschale noch mal eine ganze Ecke besser. Das ist in meinen Augen, das Motorrad, das würdig ist meine 900 SS zu ersetzen und auf das es sich lohnt den Sparstrumpf zu füllen.

Kleine Verbesserungen könnte ich mir an dieser Maschine schon noch vorstellen. Als erstes müsste der Lenker etwas höher gesetzt werden, die Sitzposition ist wirklich alles andere als bequem. Da gibt es allerdings schon etwas höhere Lenkerstummel im Zubehörhandel. Der nächste Punkt, der mir nicht optimal gefällt, sind die schwarzen Auspufftöpfe und Felgen. Hier würde sich meiner Meinung nach hochglänzender Chrom und poliertes Aluminium, wie an der 1000 GT deutlich besser machen. Weiterhin wäre eine Abdeckung des Hinterrades zur Batterie und hinterem Auspuffkrümmer und Zylinder sicherlich sinnvoll, da gibt es sogar schon ein Original-Ducati-Zubehörteil. Ich bin mir ganz sicher, wenn dieses Motorrad erstmal einige Zeit auf dem Markt ist, dass der Zubehörhandel dafür noch das eine oder andere schöne Teil anbieten wird. Seitendeckel im Stile der ersten 750 SS wären sicherlich ausgesprochen hübsch.

Nachdem ich heute mal wieder beim Ducatihändler war und mich auf die Maschine gesetzt habe, muss ich sagen, die Sitzposition ist doch wirklich sehr unbequem. Selbst mit meinen 1,83 m sitze ich sehr stark über den Tank gestreckt und es lastet sehr viel Gewicht auf den Handgelenken, die sich auf Lenkerstummel ungefähr auf Sitzhöhe abstützen. Die Lenkerstummel sind zwar ein Stück unter der oberen Gabelbrücke angeschellt, aber der Spielraum in der Verkleidung bei eingeschlagenem Lenker ist wirklich sehr knapp. Mehr als vielleicht zwei Zentimeter nach oben lässt sich der Lenker bestimmt nicht verschieben und das reicht nicht aus, um die Sitzposition in bequeme Bereiche zu schieben. Die Sport 1000 ohne S war nicht da, so dass ich keine Sitzprobe vornehmen konnte, aber nach den Bildern zu urteilen, sitzt der Lenker deutlich über der Gabelbrücke, das sollte schon ein ganzes Stück bequemer sein.

Als Zubehör für die Paul Smart Replica gibt es Lenkerstummel, die über der Gabelbrücke und etwas weiter hinten sitzen, vielleicht reicht das aus, um die Sitzposition halbwegs erträglich zu machen, das wäre auszuprobieren. Das vordere Schutzblech finde ich auch nicht so wirklich gelungen, meiner Meinung nach sieht die Version an der GT deutlich besser aus, aber das sind alles nur Kleinigkeiten und schließlich würde es ja auch keinen Spaß machen, wenn das Mopped absolut perfekt wäre und man überhaupt nichts mehr zu verbessern hätte.

 

 

 

 

 

 

 

 

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