Yamaha SRX

Die Yamaha SRX war ein Traum von einem Motorrad. Leicht, handlich, mit einem durchzugsstarken Motor und einem exzellenten Fahrwerk. Die Maschine war für meine 1,83 m schon fast zu zierlich und sah neben der Transalp aus wie ein Fahrrad. Der Einzylindermotor mit 44 PS ging ausgesprochen kräftig zur Sache und hatte wegen seiner Ausgleichswelle schon fast zu wenig Vibrationen für einen Einzylinder. Der Klang aus dem optisch kurzen, aber in Wirklichkeit gar nicht so kleinen Auspufftopf war kernig, aber nicht wirklich laut. Das Motorrad war ausgesprochen hochwertig verarbeitet, sogar die Seitendeckel bestanden aus gebürstetem Aluminium. Die Zweikolbenfestsattelbremsen vorne und hinten wurden mit dem Gewicht spielend fertig. Das Fahrwerk lag satt auf der Straße und auf den kurvigen Straßen des Harzes oder im Weserbergland konnte man manchem Fahrer stärkerer Maschinen zeigen, wo Bartel den Most holt.

Allerdings gab es auch eine Eigenart, Nachteil kann man es nicht wirklich nennen, das Motorrad hatte nur einen Kickstarter. Das kam dem niedrigen Gewicht zugute, führte aber auch, speziell am Anfang, als ich mit der Maschine noch nicht so vertraut war, zu manch peinlicher Situation, wenn an der Kreuzung der Motor abstarb, die Autos hinter mir schon zu hupen anfingen und ich den Motor einfach nicht mehr anbekam und die Maschine erstmal an die Seite schieben musste. Eine typische Situation war die Fahrt zur Tankstelle vor der Ausfahrt. Die Tankstelle war ca. 1,5 km entfernt und auf dieser Strecke wurde der Motor noch nicht wirklich warm, war aber auch nicht mehr ganz kalt. Also was war nach dem Tanken zu tun, um den Motor wieder zu starten. Choke aus, voll oder ein wenig? Das war mir am Anfang nicht so klar und dann wurde gekickt, gekickt, noch mal gekickt, und dann wurde die Wade schon mächtig weich, der Schweiß begann unter Helm und Lederkombi zu laufen und es ging erstmal gar nichts mehr. Ein paar Minuten warten, neuer Versuch und irgendwann sprang sie dann an. Sie anzuschieben zu versuchen, war absolut zwecklos. Es gab nämlich einen pfiffigen Ventilausheber, der mit dem Kickstarter gekoppelt war und auf dem ersten Drittel des Kickstarterweges ein Auslassventil anhob und damit ermöglichte Schwung aufzunehmen, ohne gegen die Kompression ankämpfen zu müssen. Beim Anschieben war dieser Mechanismus natürlich nicht wirksam und so war es absolut zwecklos, egal in welchem Gang und auch mit zwei Leuten, zu versuchen, das Motorrad anzuschieben, das Hinterrad blieb einfach stehen. Mit etwas Erfahrung traten dann diese Probleme nicht mehr auf und später hätte ich jede Wette gewonnen, den Motor immer auf den ersten Kick zum Laufen zu bringen.

Die Yamaha war ein absolutes Traummotorrad, an dem es aus meiner Sicht kaum etwas auszusetzen gab. Aber wie heißt es so schön, das bessere ist des guten Feind. Ich hatte mich bei ihrem Erscheinen in die 91er Ducati 900 SS mit Halbverkleidung verliebt. Nach einer Probefahrt (in Wirklichkeit waren es eher fünf oder sechs) war es um mich geschehen und ich fing an meine Groschen zu sparen.